FREUDE SMOOTHER GÖTTERFUNKEN

Augsburger Allgemeine Zeitung · 13. September 2014
Wäre die Musik nicht so laut gewesen, hätte man sie gehört. Das viertägige 5. Augsburger „Smooth Jazz Festival“ brach seine bisherigen Dezibel-Rekorde und drang Beat-weise bis in die Magengrube vor. Zu hören waren in den Live-Gigs vornehmlich der Groove und dröhnender Sound. Smooth ist so was nicht. Und schade war es auch, denn Freitagabend-Stargast Candy Dulfer verliert sicher nichts an Klasse, wenn die Lautstärke gedrosselt würde und man genauer zuhören könnte. Denn die Tochter von Sax-Koryphäe Hans Dulfer, die mit Prince, Dave Stuart, Pink Floyd spielte, ist auch alles andere als smooth und das war gut so, war sogar wohltuend im Seifenlaugensoundbereich des typischen, Warteschleifen-tauglichen Smooth-Gedudels passend zum lichtreduzierten Kuschel-Areal der angesagten Glitter-Disco. „Mit Candy Dulfer, da wird’s lustig“, so stattdessen ein O-Ton aus dem Publikum vor ihrem Auftritt Freitagnacht, wie wahr, die 45-Jährige brachte das Parktheater Göggingen in Wallung. Im Gefolge die eigene Band, bestens eingespielt, das auch choreografisch, barst die attraktive Blondine aus Amsterdam vor Spiel-Power und die Kollegen on Stage zogen mit: so Ricardo ’Phatt’ Burgrust mit souligem Vocal, Rapper Andy Ninvalle, DJ Kikke an explosiver Drumstation, E-Bass-Virtuose Manuel Hugas und Ulco Bed an der E-Gitarre, der sich hitzige Duelle mit Dulfer lieferte. Der Gig hatte etwa Beschwörendes durch den hämmernden Puls, die kraftvollen Riffs, die Mischung aus Dance, Funk, R & B bis hin zur Depeche-Mode- und Glamrock-Grenze. Nicht gerade gecovert sondern neu arrangiert wurden Hits ab den 80gern und das klärt vielleicht das Generationengemisch im ausverkauften Kurhaus Göggingen vom Endzwanziger bis zum Best Ager, alle voll dabei und restlos begeistert. Auch Candy Dulfers smoothe „Vorband“ Julian Vaughn, Bassist und Sänger mit kurzzeitiger Ergänzung durch den Samstagabend-Starsaxofonist Marcus Anderson und begleitet von der vierköpfigen Festivalband, nahm historische Vorlagen, Kool & The Gang (Get Down on It) zum Beispiel und vor allem Michael Jackson (Remember the Time), diese weitgehend naturbelassend, getunt mit zündender Tanzrhythmik und dem Repetieren der vom Beat strukturierten Melodien, variiert mittels improvisierter Einwürfe, die vereinzelt auch länger sein durften. Richtig lang waren sie dann bei Candy Dulfer, sich fesselnd entwickelnd, das Publikum entfesselnd, beinahe so wie im „echten“ Jazz.

Zurück