SITZBALLETT MIT ORCHESTERKLANG

Augsburger Allgemeine | 29. Januar 2013 | Lokales
Klavier-Duo Silver-Garburg

Ihr Gastspiel war eine audiovisuelle Pantomime. Tänzerisch motivierte das Klavier-Duo Silver-Garburg sein Fingerspiel aus dem gesamten Körper und unterstrich mimisch, kaum zu unterscheiden war manchmal, wem welche Hand oder Stimme gehörte und Klang wie Bewegung summierten sich zu einer faszinierenden Intensität. Ihr Sitzballett übertrug sich auf die Musik, die Bewegungen hatten klangliche Auswirkungen, das Klavierspiel von Sivan Silver und Gil Garburg zeigte eine Farbenpalette und Elastizität, die den schnell ersterbenden Klavier-Ton hinter sich ließ und orchestrale Größe erreichte.
Man hörte in Mendelssohns »Sommernachtstraum« in den Höhen die Geigen und Flöten, in den Tiefen die Hörner, im Hochzeitsmarsch das tönende Tutti, in Ouvertüre und Finale die Wagner vorwegnehmenden, leuchtenden Bläserintervalle. Auch im Tempo schenkten sich beide nichts, ihre Virtuosität – etwa in Strawinskys »Petruschka« – war atemberaubend und stets glasklar, ihre Kunst makellos, man hätte sich einen Mitschnitt von ihrem Auftritt im (leider spärlich besuchten) Parktheater gewünscht.
Selten ist ein Duo-Spiel so verschmolzen, derart aufgehend in den Gesamtklang, der ausgezeichnet zur Akustik des Parktheaters passte: Diese Zweieinigkeit, die über Präzision und Abstimmung weit hinausgeht, die Bewegung, Einfühlung und Emotionen einschließt, erreicht wohl nur ein Geschwister- oder Ehepaar. Das verheiratete, auch solistisch erfolgreiche Piano-Duo Sivan Silver und Gil Garburg aus Israel formierte sich 1997 und gewann laut Programmheft erste Preise »bei über einem Dutzend nationaler und internationaler Wettbewerbe«, was nach diesem bejubelten Konzert und drei Zugaben nur logisch scheint.
Begonnen wurde der Abend mit einer Rarität: Zum Geburtstag Mozarts spielten Sivan Silver und Gil Garburg Liszts Arrangement von »Der, welcher wandert« aus der »Zauberflöte« – einem fugierten Marsch mit Seufzermotiv im Moment der Prüfung des königlichen Paares. Interessant, dass sich der ruhelose Wanderer Franz Liszt diesen Auftritt zur Bearbeitung ausgesucht hat.

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