PACKENDE PIANOKÜNSTE
Stephanie Knauer und Mieke Stoel
überzeugen an 88 Flügeltasten

Augsburger Allgemeine Zeitung · 10. November 2016

Von Thomas Hack

Stephanie Knauer & Mieke Stoel · Foto: Thomas Hack

„Vier Hände auf 88 Tasten“ versprach das klassische Konzert von Stephanie Knauer, und in der Tat bewiesen im Stadtberger Bürgersaal vier ganz besondere Hände ihr Können. In einem mehrstündigen Klavierabend ließen die renommierten Pianistinnen den schwarzen Flügel sprechen und eröffneten spannende Einblicke in gehobene Kompositionen von Johannes Brahms bis Maurice Ravel.

Im Bild: Stephanie Knauer (rechts) und Mieke Stoel ließen beim Konzert in Stadtbergen gemeinsam die Hände über die Tastatur rasen. Foto: Thomas Hack

Mit einem ungewöhnlich fröhlichen Arrangement aus der Feder des Romantikers Franz Schubert begann der Abend beschwingt, doch wurde der nonchalante Charakter des Stücks zunehmend komplexer und schöpfte in routinierten Umsetzungen die Variationen des Grundthemas aus. Anschließend erhielten die Damen Verstärkung: Querflötistin Sabine Kühnl-Ciliberto ließ Schuberts „Trockne Blumen“ neu erblühen und interpretierte wunderschön das traurige Thema über eine verloren gegangene Liebe – gemäß Schuberts düsteren Sujets entpuppten sich selbst fröhliche Passagen als musikalische Chimären.

Mit einem abwechslungsreichen Zyklus ungarisch beeinflusster Walzer von Johannes Brahms reizten die Interpreten die gesamte Bandbreite ihrer klassischen Klavierkünste aus und entwarfen einen meisterhaft inszenierten Bilderbogen, der sich zwischen spielerischer Leichtigkeit und fulminanter Dramaturgie bewegte – wie auch bei den zauberhaften Märchenliedern von Maurice Ravel und den selten gespielten Epigrafen von Claude Debussy, die eine ganze Schatztruhe unterschiedlicher Ausdrucksformen offenbarten: Die melodisch eingefangene Naturidylle mit der berühmten Flöte des Pan faszinierte durch die schlichte Tonsprache, die ägyptisch inspirierten Versatzstücke durch die herausragende Umsetzung der versetzten Unterstimme, die das Stück besonders anspruchsvoll machte.

Eine grandiose Meisterleistung wurde von Stephanie Knauer in einem (ursprünglich nicht eingeplanten) Solostück präsentiert: Hochkomplexe Trillerarabesken wurden von ihr makellos in Szene gesetzt. Knauers Hände schwebten in rasanter Geschwindigkeit über den Flügel und schienen die Tasten am Ende schon gar nicht mehr zu berühren. Ihr ganzer Körper bebte beim Spielen und die Pianistin transportierte ihre gesamte Energie auf einmal in das majestätische Instrument. Tosender Applaus!

Insgesamt bewiesen die Pianistinnen eine durchweg überzeugende Ausdruckskraft und vermochten selbst schwierigste Passagen souverän und professionell zu interpretieren. Die humorvolle Moderation von Mieke Stoel konzentrierte sich in erster Linie nicht auf die biografischen Fakten der jeweiligen Komponisten, sondern beleuchtete vielmehr die charakterlichen Eigenheiten der einzelnen Stücke. Nicht nur eingefleischten Kennern gehobener Klassikkompositionen haben die Interpreten mit diesem gemeinschaftlichen Konzert einen wunderschönen Abend geschenkt.






VERRÜCKTE VARIATIONEN
Geige und Klavier in der Ulrichsbasilika

Augsburger Allgemeine Zeitung · 13. August 2016

Von Manfred Engelhardt

Zwei Werke eines Genres, das in der Barockzeit eine besondere Rolle spielte, wurden in der Ulrichsbasilika in einer unkonventionellen Aufführungspraxis zum Klingen gebracht. In der Reihe „30 Minuten Musik“ entfaltete Angelika Löw-Beer die dicht gewirkte musikalische Ereigniskette der berühmte Violinsonate „La Follia“ von Arcangelo Corelli, anschließend die artverwandte Chaconne g-Moll des nur wenig später geborenen Zeitgenossen Tommaso Vitali – ein überzeugendes und anspruchsvolles Programmkonzept. Beide Werke leben von den Kontrasten ineinanderfließender Variationen, erfordern eine starke musikalisches Passion ebenso wie virtuosen Zugriff.

„La Follia“, was im Grunde so viel wie „Verrücktheit“ bedeute, ist ein aus alten Zeiten tradierter romanischer Musikstil, zu verbinden mit einer ausdrucksstarken tänzerischen Grundgestik. Das Werk machte die aus Augsburg stammende Geigerin, die derzeit als freie Musikerin in aller Welt gastiert, im weiten Hall der Basilika zu einem akustischen, aber auch künstlerisch unkonventionellen Ereignis. Die neun ineinandergleitenden Variationen kontrastierten durch exzessive Virtuosität und süßes, schwebendes Melos.

Begleitet wurde sie mit viel Einfühlungsvermögen und gestalterischer Sicherheit von Stephanie Knauer am (elektrischen) Klavier. Diese ebenso ungewöhnliche wie sympathisch unbekümmert vorgetragene (natürlich nicht historische) Aufführungspraxis hatte aber durchaus attraktive Klangmomente, ein ganz eigenes Kolorit – warum nicht! Noch expressiver und virtuoser mit fast schon paganini-haften romantischen Zügen wurden die Veränderungen der Chaconne von Vitali von den beiden Musikerinnen mit großem Ausdruck realisiert.






LAICHINGEN
EIN WAHRES GEFÜHLSKARUSSELL

swp online · 14. Juni 2016
Mit Leidenschaft musizierten Pianistin Stephanie Knauer und Mezzosopranistin Henrike Paede vor dem Laichinger Kammermusikpublikum.

Stephanie Knauer & Henrike Paede · Foto: Sabine Graser-Kühnle»Das ist der Vokalistensommer«, hat Volker Hausen, Macher der Stunde der Kammermusik in Laichingen, am Sonntag verkündet. Es war die zweite Matinee mit Gesang, die dritte Folge gibt es in zwei Wochen mit Blues. Der leichten Muse der jüngsten Matinee folgte dieses Mal allerdings dramatisches Gefühlskarussell mit großartigen Musikerinnen: Mezzosopranistin Henrike Paede und Pianistin Stephanie Knauer servierten Leidenschaft pur. Die Zusammensetzung ihres Programms wirkte wie eine dramaturgische Steigerung, was im intensiven Gesang und Klavierspiel seinen Höhepunkt fand.

Joseph Haydn griff mit seiner Solokantate für Gesang und Klavier »Arianna a Naxos« das damals beliebte Opernsujet verlassener Geliebter auf. Derweil packte er ein Kaleidoskop verletzter Gefühle in eine knapp 15 Minuten lange Kantate in italienischer Sprache. Die Zuhörer ließen sich packen von den stürmischen Gefühlen: der Sehnsucht der Königstochter aus der griechischen Mythologie nach ihrem Geliebten Theseus und der bitteren Erkenntnis des Verlassenseins, in der sich Wut die Bahn bricht, bis hin zur Todessehnsucht in einer verstörend intensiven Schluss-Arie.

Pianistin Stephanie Knauer brillierte mit großartig dramaturgischem Spiel ihres fast orchestralen Klavierparts, Henrike Paedes warme Stimme fächerte sich in prismatische Schattierungen auf. Pianistin und Sängerin ließen sich bravourös auf die vom Komponisten erzeugte musikalische Einheit ein.

Im Rückblick muteten die eingangs dargeboten drei Lieder von Beethoven schlicht, ja fast naiv an. Derweil ließ der Solo-Klaviervortrag der »Mondscheinsonate« von Beethoven die dramaturgische Pianistenseele von Stephanie Knauer längst erahnen. Mondschein am Sonntagvormittag? Geht prächtig, denn ihren Titel hat die Klaviersonate erst viel später erhalten, erzählte Prof. Franz Hacker, Conferencier der Matinee. Eine legatoschwere melancholische Melodie gepaart mit der metronomartigen linken Hand, atemraubend schnelle Tonläufe und wirbelnde Tänze flossen der zierlichen Pianistin in wallenden Gefühlen aus den Händen und ließen den Steinwayflügel im Bürgersaal mehrfach erzittern.

Wie herausragend die Pianistin es versteht, ein Thema transparent zu machen, bewies sie in den zwölf Mozartvariationen über das französische Volkslied »Ah, vous dirai-je maman«. Bei uns bekannt als »Morgen kommt der Weihnachtsmann«, erzählt die kleine Melodie doch ganz anderes – daher auch dieser Vortrag passend für den Sonntagmorgen.

Text + Foto: Sabine Graser-Kühnle






VOM HERBST DES KUNSTLIEDS

Ein Liederabend mit zeitgenössischem Programm

nmz 10/2015 · 64. Jahrgang · Claus Lamey

Ein Hauch von Wehmut lag über dem Liederabend, den der Tonkünstlerverband Augsburg-Schwaben im Leopold-Mozart-Zentrum veranstaltete. Grund dafür war keineswegs etwa mangelnde Ausstrahlung und Kompetenz der beiden Künstler Erik Völker (Bariton) und Stephanie Knauer (Klavier) – diese hätten positiver nicht sein können.

Ebenso wenig lag es an der Qualität der ausgewählten Lieder, sämtliche von Komponisten des 20. Jahrhunderts mit Wirkungsstätten im Augsburger Raum. Aber alle Stücke warfen – bei großer individueller Eigenständigkeit – gleichsam auch einen Blick zurück ins 19. Jahrhundert, jene Epoche, in der das Kunstlied noch eine „Dachmarke“ deutscher Musikkultur war.

Diese Sichtweise trug bei Walter Scheidlers (1924 – 2002) Zyklus „Schlichte Weisen“ nach Gedichten von Hanns Rupp geradezu spielerisch-biedermeierliche Züge („Ein Kränzlein Margeriten“), während Willi Leininger (1907 – 71) seine Trakl-Lieder mit üppigen Melodienbögen und Akkordballungen à la Richard Strauss versah.

Das war durchaus aufregend und faszinierend, aber für die todverfallene Bilderwelt der Texte oft etwas zu vordergründig. Die strenge, modal getönte Harmonik, mit der Erna Woll (1917-2005), hoch angesehene Schöpferin geistlicher Vokalmusik, der hermetisch-rätselhaften Bildsprache Paul Celans begegnete („Sieben Rosen später“), wirkte da deutlich angemessener. In seinem beeindruckend schlichten Ernst dieser Grundhaltung sehr nahe kam das, auf mittelhochdeutschen Texten beruhende, „Kleine Triptychon – Von der Vergänglichkeit“ des Augsburger Domorganisten Karl Kraft (1903 – 78).

Auf skurril pointierte Art entledigte sich Franz R. Miller, Orff-Schüler und angesehener Chorpädagoge, in seinen Liedern aus privatem Umkreis schließlich jeglichen romantischen Ballasts. Mit einer sympathischen Mischung aus aufrichtigem Engagement für ihr Anliegen und einer gewissen zeitgenössischen Distanz gewannen die beiden Künstler das Publikum sogleich für sich. Erik Völker (Theater Augsburg), mit unangestrengt warmem Bariton sang, frei von jeder Attitüde, variantenreich und textbezogen und führte die Hörer klug durchs Programm.

Am Flügel bewältigte Stephanie Knauer spielend ein heikles Riesenpensum; ihre Wiedergabe des bizarren Scherzos von Karl Erhard (geb. 1928), wohl der avantgardistisch ambitioniertesten Nummer des Abends, nahe beim Kontrapunkt, aber weit weg von Tonalität, hatte fesselnde Intensität.






P O R T R Ä T
WORT UND TON

nmz 7 · 8/15 Juli/August
Stephanie Knauer, Mitglied im TKV Augsburg-Schwaben

Stephanie Knauer · Foto: Christina BleierDie Entscheidung, eine musikalische Laufbahn einzuschlagen, fiel für die Pianistin Stephanie Knauer kurz nach dem Abitur. Denn kein anderer Bereich faszinierte die Augsburgerin so umfassend wie diese Kunstform. Seit ihrem Meisterklassendiplom an der Musikhochschule Augsburg-Nürnberg erschließt sie sich die Vielfalt an Stilrichtungen und Arbeitsbereichen, die sich in der Beschäftigung mit Musik ergeben. Neben dem Unterrichten und Ausflügen in das Musiktheater stehen die Gesangsbegleitung und zunehmend wieder das solistische Spiel im Vordergrund ihres künstlerischen Schaffens. Ihr Repertoire geht dabei von sakraler und klassischer Musik bis hin zu Chansonprogrammen, Klezmer und Jazz. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Beschäftigung mit der historisch orientierten Spielpraxis, genauer gesagt, mit der Klavierliteratur für Hammerklavier. Stephanie Knauer ist eine der wenigen Pianisten, die auf dem originalen Stein-Hammerflügel von 1786 im Augsburger Mozarthaus spielen dürfen. 2013 hatte sie dort sogar Gelegenheit, in Zusammenarbeit mit der regio Augsburg Tourismus GmbH eine Konzertreihe ins Leben zu rufen, deren Augenmerk auf der Kammermusik- und Lied-Literatur für Hammerklavier liegt. Seit einiger Zeit hat Stephanie Knauer neben der Musik noch einen anderen Wirkungsbereich für sich entdeckt: das journalistische Schreiben. Sie arbeitet regelmäßig für verschiedene Zeitungen und Zeitschriften, u.a. für die nmz (s. Artikel »Panoptikum-Jazz«) und sieht in dieser Tätigkeit inzwischen ihren Zweitberuf. Ein Glück für jeden konzertierenden Musiker, denn als wortgewandte Frau vom Fach weiß sie genau, wovon sie schreibt. Kristina Gerhard

Foto: Christina Bleier

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WALZERKLÄNGE IM BIEDERMEIER-AMBIENTE

Badische Neueste Nachrichten · 13. Juli 2015 · Ettlingen
Kultur im Kloster Herrenalb feiert Zehnjähriges – Viel Beifall für das Programm

Walzer-Quartett und Biedermeier in Bad HerrenalbNicht allein um die Musik, um das ganze Lebensgefühl der Epoche des Biedermeier drehte sich alles bei Klassik im Kloster in Bad Herrenalb. In die Epoche zwischen 1815 und 1848 fielen die Anfänge des Kurbetriebs der »Wasser-Heilanstalt Herrenalb«. Und man begann sich im Takt eines neuen Modetanzes für alle Bevölkerungsschichten zu amüsieren, des Walzers Walzerklänge standen auch im Mittelpunkt der Sommerkonzerte in der Klosterkirche. Der Wiener Organist Matthias Krampe ließ sie am Freitagabend auf der Walcker-Orgel erklingen, am folgenden Abend entführte ein Augsburger Walzer-Quartett in die große Zeit der Operette. Wer beide Konzerte besuchte, hörte den Donauwalzer und den Radetzkymarsch in ganz unterschiedlichem musikalischem Gewand, einmal auf der historischen Orgel, einmal dargeboten mit Piano und Violine. Das hohe musikalische Niveau lohnte den Besuch und erntete großen Applaus. Organisatorin Sabine Zoller sorgte zudem dafür, dass auch das Ambiente rund um die Kirsche stimmte. Dazu mischte sich die Offenburger Biedermeiergruppe in historischen Kostümen unter die Gäste und zeigte, wie man damals tanzte. Die Trachtengruppe Bad Herrenalb beteiligte sich ebenfalls. Das Quartett Stephanie Knauer am Klavier, Angelika Loew-Beer an der Geige, Wolfgang Wirsching, Bariton und Doris Langara, Sopran, wartete am Samstagabend mit einem heiter-beschwingten Programm auf. Es beinhaltete unter anderem die Lieder aus den Operetten »Die Csárdásfürstin« von Emmerich Kálmán, »Die Fledermaus« von Johann Strauss und »Die lustige Witwe« von Franz Lehár. Duette wie »Komm mit nach Varadin« oder das Schwalbenduett prägten das Programm.

Für Benefiz-Zwecke kamen bislang 16.000 Euro herein

Die Akteure glänzten im Zusammenspiel wie gleich zum Auftakt bei »In den Bergen ist mein Heimatland« und »Nimm Zigeuner deine Geige«, aber auch solo. Angelika Loew-Beer ließ die bekannte Melodie »Czárdás« von Vittorio Monti erklingen, Wolfgang Wirsching brachte charmant »Ganz ohne Weiber geht die Chose nicht« zu Gehör. Ebenso viel Beifall ernteten Doris Langara etwa für ihre Darbietung des Vilja-Lieds und Stephanie Knauer für Frédéric Chopins Walzer cis-moll op. 64 No. 2. Mit diesen Sommerkonzerten feierte Klassik im Kloster sein zehnjähriges Bestehen. Bislang kam bei den Benefizkonzerten ein Erlös von 16.000 Euro für soziale Zwecke und für die Walcker-Orgel der Klosterkirche zusammen. bos

Im Bild: In die Biedermeierzeit entführten das Augsburger Walzer-Quartett und die Offenburger Biedermeiergruppe. Foto: hos

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BEFLÜGELT ÜBERS MEER

SCHLOSSMAGAZIN · Ausgabe Bayerisch-Schwaben · Juni 2015
Reiseeindrücke der Ozeanpianistin Stephanie Knauer

Die MS Hansetic – Foto: Stephanie Knauer „… ein Erlebnis ist es doch, nachts im Bett im Rhythmus der Wellen gehoben zu werden und wieder zu senken. Wenn die Motoren flüsterleise werden, ist ihr Rauschen zu hören, ihr Brechen an die Schiffswand. Vieles wird dann unwichtig auf dem weiten, blausilbrigen Meer“ erzählt Stephanie Knauer von ihren Reiseeindrücken auf hoher See. Unser lLebensraum war auf 122 Meter Länge und 18 Meter Breite begrenzt gewesen, strikte Regeln, ein Common Sense im Miteinander waren für die Bord-Crew ein Muss. Außerhalb dieser „vier Wände“ gab es meist nur Wellen, Gischt, endlos Wasser. Abgelegt wurde in Teneriffa, mit sonorem Schiffshorn und minutiös pünktlich um fünf Uhr Nachmittag. Es ist übrigens ein Filmmärchen, dass Ozeanpianist und Schiff am Ende in die Luft gesprengt wer- den. Die Sicherheit an Bord ist ein wichtiges Thema. Am ersten Abend erhielten Gäste und Mannschaft – wir nicht zum letzten Mal – Instruktionen für den Ernstfall und Rettungswesten zur Verwahrung in der Kabine. Gegen Seekrankheit halfen die orangefarbenen Halskrausen allerdings nicht: Der Atlantik benahm sich zum Einstand eine Nacht stürmisch, das Gerücht sprach – auch wenn die „alten Hasen“ darüber lächelten – von sechs Metern Wellenhöhe …

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FRAUEN, DIE EIN LIED VON CASANOVA SINGEN KÖNNEN

Allgäuer Zeitung von 21. April 2015 · Klaus Bielenberg
Konzertabend Sarah M. Newman und Stephanie Knauer lassen die „Opfer“ des großes Verführers zu Wort kommen

FÜSSEN · Der Hauch Casanovas war im Kaisersaal des Füssener Barockklosters St. Mang stets gegenwärtig. Dessen Kleidung und Hut, sorgfältig drapiert auf einem Kleiderständer, bildeten den Mittelpunkt der Bühne. Einmal durfte sogar Standesamtsleiter Andreas Rösel den sprichwörtlichen „Latin Lover“ beim Stelldichein mit M. M. mimen, Programm eine große Rolle spielten. Die Sopranistin Sarah M. Newman verstand es großartig, nicht nur in die Rolle dieser „unheiligen“ Nonne zu schlüpfen, sondern auch weitere vier außergewöhnliche Frauen darzustellen, die in den Memoiren Giacomos besondere Erwähnung fanden. Die geschickt ausgewählten Songs waren gut geeignet für die Kennzeichnung der im Wesen so verschiedenen Charaktere. Es war aber auch frappierend, wie die Protagonistin es schaffte, diese in ihrem Spiel lebendig werden zu lassen und zugleich mit den Zuhörern im Saal zu kokettieren. Der Wechsel von der mürrischen Magd Sophie über die heitere, jugendliche, Lust erweckende Bettina Gozzi zur promiskuitiven M. M., schließlich zur eher etwas unsicheren und schüchternen Manon Balletti und zuletzt zur sehr selbstsicheren Henriette gelang in fließenden Übergängen sehr überzeugend. Die vielen Facetten der Leidenschaft, Sehnsucht und Liebe spiegelten sich in der konturierten, vibratolosen Stimme Newmans. Scharfzüngig und düster gefärbt gibt sich die „Magd“, wenn sie Kreislers Lied singt: „Die Wahrheit vertragen sie nicht!“ Passend zu Bettina Gozzi erhebt sich rein und kristallklar der Gesang, wenn sie „Kommt ein schlanker Bursch’ gegangen“ aus dem Freischütz anstimmt. Welche Wandlungsfähigkeit beweist Newman beim ätherischen „O Virtus Sapientiae“ von Hildegard von Bingen und dem rockigen „Big Spender“ von Cy Coleman & Neil Simon und trifft damit die gegensätzlichen Gefühle, die in M. M. schlummern! Manon Balletti, schon im Teenageralter an einen älteren Herrn vergeben, kämpfte mit der Versuchung, die im Song „Die roten Stiefel“ aus dem Musical „Tanz der Vampire“ trefflich zum Ausdruck kommt. Ganz ohne technische Verstärkung, ohne Halleffekte bewies die Sängerin, dass sie auch in diesem Genre zurechtkommt, wenngleich ihre große Stärke eindeutig im klassischen Bereich liegt.

Stephanie Knauer mit Sarah M. Newman – Foto: Bielenberg Viel Gefühl für Casanova: Pianistin Stephanie Knauer und Sopranistin Sarah M. Newman im Kaisersaal. Foto: Edith Bielenberg

Hervorragend, nicht nur an dieser Stelle, war die Klavierbegleitung durch Stephanie Knauer. Ganz selbstverständlich fließen bei ihr die Klanglinien. Sie schafft mit ihrem filigranen Spiel, den brillanten Läufen und den wuchtigen Akkorden eigene interpretatorische farbkräftige Momente, die stets gut abgestimmt sind mit der Sängerin. Da passte auch die Darstellung der Selbstbestimmung „Henriettes“ mit dem bekannten Song „Ich gehöre nur mir“ aus Elisabeth. Ein eindrucksvolles, klangschönes Finale erlebten die leider nur 50 Zuhörer mit der Darbietung der „Abendempfindung“ von Wolfgang Amadeus Mozart. Fröhlich und beschwingt war die Zugabe „I feel pretty“ aus der Westside-Story, ganz im Sinne des Standesamtes und des Sponsors VRBank Kaufbeuren-Ostallgäu, „Wo Träume wahr werden“ sollen.

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IN BERLIN »LUST AUFS LAND« GEMACHT

Klassik im Kloster begeistert auf der Internationalen Grünen Woche / Konzertreihe besteht seit zehn Jahren

Schwarzwälder Bote Nr. 28 · 04. Februar 2015 · Bad Herrenalb (sz).

Christel Arndt aus Berlin-Tempelhof ist die glückliche Gewinnerin der »Klassik im Kloster«-Verlosungsaktion und erhält aus der Hand von Hanns-Christoph Eiden, Präsident der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung einen Gutschein für die Sommerkonzerte und einen Aufenthalt im Hotel Schwarzwald Panorama in Bad Herrenalb.
Für Sabine Zoller, Organisatorin und Veranstalterin der Konzerte, ist die Präsenz der Veranstaltungsreihe in Berlin eine besondere Auszeichnung. Landrat Helmut Riegger meinte dazu: »Die Kooperationen und die große Ideenvielfalt, mit der diese Konzertreihe immer wieder Aufmerksamkeit in den Medien erreicht, zeigen eine unverwechselbare Handschrift im touristischen Bereich.«
Die attraktiven Veranstaltungen, Benefizkonzerte, deren Erlös für soziale und kulturelle Zwecke gespendet wird, feiern 2015 nicht nur ihr zehnjähriges Bestehen, sondern wurden für die Präsenz auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin als einziger Repräsentant aus Baden-Württemberg durch die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BMEL) sowie die Deutsche Vernetzungsstelle Ländliche Räume geehrt. Unter dem Titel »Lust aufs Land – gemeinsam für ländliche Räume« war die Halle 4.2 vom 16. bis 25. Januar zur Grünen Woche in Berlin Mittelpunkt für Vereine und Verbände.

Tausende Besucher ins Albtal und nach Bad Herrenalb gelockt

Stephanie Knauer im historischen Kostüm auf der Grünen Woche – Foto: Zoller Zwölf Darsteller zeigten auf der Schaubühne und dem Messestand, was ländliche Gegenden attraktiv macht. Mit ihrem Engagement hat Zoller in den vergangenen neun Jahren bislang 25 Veranstaltungen organisiert und mit ihrem abwechslungsreichen Kulturangebot mehr als 7000 Besucher ins Albtal und nach Bad Herrenalb gelockt.
Für das Ministerium Anlass, »Klassik im Kloster« als Akteur des ländlichen Raums einzuladen, um sich am Dialog über regionale Vielfalt zu beteiligen und neue Ideen zur Sicherung der Lebensqualität aufzuzeigen. Mit ihrem Auftritt begeisterte die tanzende Schäfergruppe aus Bretten das Publikum auf der Grünen Woche. Viele Besucher klatschten bei den rhythmischen Bewegungen der Tänzer mit. Einige tanzten sogar mit den Schäfern mit.
Zoller zelebriert ihre Konzerte als »Erlebniswelten«, um ein musikalisches Thema ganzheitlich zu entfalten. Kein Wunder, dass am Messestand der Deutschen Vernetzungsstelle für Ländliche Räume ein Cembalo stand, an dem sich Stephanie Knauer in barockem Gewand präsentierte. Diese Präsentation lockte Besucher und Interessenten an. Hanns-Christoph Eiden, Präsident der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung, schrieb auf der Messe ins Gästebuch: »Cembalomusik beim Netzwerk für ländliche Räume. Klassik im Kloster bereichert unseren Stand!« Für das Konzertjahr 2015 werden sich die musikalischen Darbietungen mit der Zeit des Biedermeier beschäftigen.
Eine Zeit, in der in Bad Herrenalb die Weichen zum Kurbetrieb gestellt wurden, denn vor mehr als 175 Jahren entstand die »Wasser-Heilanstalt Herrenalb«. Komponisten wie Joseph Lanner und Johann Strauss galten damals als Weltstars und sind mit Ihren Melodien bei einem facettenreichen musikalischen Programm vertreten. Ebenfalls vertreten ist das »ländliche Volk«, die Schäfergruppe Bretten, die 2015 erstmals bei Klassik im Kloster tanzen wird. Eine Ehre für Zoller, denn die Klosterkonzerte sind am 11. Juli 2015 – genau eine Woche nach dem großen Peter und Paul-Fest in Bretten.
Neben den Schäfern und der Trachtengruppe Bad Herrenalb ist Matthias Krampe erneut mit einem Orgelkonzert vertreten. Stephanie Knauer wird als Pianistin erstmals mit ihrem Ensemble die Musik des Wiener Biedermeier in der Kurstadt zelebrieren.
Den Auftakt für die Jubiläumskonzerte machen am 31. Mai 2015 zwei begabte Musiker aus Thailand, die klassische Musik der Romantik zum Klingen bringen. Zum Abschluss des Jubiläumsjahres stimmen die »Jungen Chöre« auf die Adventszeit ein und als stimmungsvolles Erlebnis wird ein traditionelles Schwedisches Weihnachtskonzert mit Luciazug begeistern.
Foto: Zoller
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STÜRMISCHE SONATENWELTEN

Pianistin Stephanie Knauer begeistert im Stadtberger Bürgersaal

Landbote, 23. September 2014
Von Thomas Hack

88 Tasten voller Harmonie und Leidenschaft – wozu bedarf es da noch eines Namens? „Ohne Titel“ lautete das anarchistische Motto von Pianistin Stephanie Knauer, welches sie im Stadtberger Bürgersaal in ein musikalisches Gewand gekleidet hatte. Der Konzertabend mochte titellos gewesen sein, doch es waren alles andere als gesichtslose Kompositionen, mit denen Knauer das Publikum begeisterte, sondern eine echte Herausforderung für die schwarz-weiße Ausdruckskraft der Tasten. Mit Beethovens Meisterstück „Der Sturm“ trat Knauer in stürmische Sonatenwelten ein, die weder leicht zu verstehen noch einfach umzusetzen sind: Ein rollender Tremolohagel der oberen Tonlagen kontrastierte mit unruhigem Donnergrollen auf der linken Seite der Tastatur, was später nur scheinbar in einem romantischen Sommergewitter seine befreiende Auflösung finden sollte. Das düstere Sujet warf immer wieder Zwiegespräche auf, die sich harmonisch zwischen weichen Molltönen und harten Dur-Akkorden bewegten.

Stephanie Knauer im Stadtbergener Bürgersaal – Foto: Hack Die Pianistin Stephanie Knauer brillierte im Stadtberger Bürgersaal mit Beethoven, Ravel und Debussy. Foto: Thomas Hack

Knauers Atemfrequenz bildete allmählich eine stimmige Einheit mit Partitur und den Fingerläufen auf dem Klavier. „Verspielt“ klingt bei Beethoven nicht einmal ein Allegretto, sodass auch bei diesem immer eine undurchsichtige Nebeldecke über der Grundthematik zu schweben schien. Knauers Hände zuckten und überkreuzten sich und ließen letztendlich auch Beethovens großen „Sturm“ sich in einem harmonischen Wohlgefallen auflösen. Wie ein trügerischer Frühlingstag begann anschließend „Images 1“ von Claude Debussy. Und doch war das romantische Stück nicht weniger durchdrungen von verzerrten Dissonanzen und ruhelosen Stimmen, die miteinander in einem musikalischen Wettstreit lagen. Erneut brach auf den Tasten ein gewaltiger Gewittersturm los: Knauers Hände rasten von links nach rechts und überschlugen sich von rechts nach links. Und dann: abrupte Akkordfragmente, die mit einem Male wieder genügend Raum für eigene Gedanken schufen, bevor dieser musikalische Monolog endgültig wieder zu einem mehrstimmigen Gesamtkunstwerk wurde. Die Stille im Publikum war zum Zerreißen angespannt, Knauers Körper begann im Takt zu kreisen und die Musik schließlich gänzlich in sich aufzusaugen. Im rasanten Tempo ging es nach der Pause weiter mit einer der anspruchvollsten Kompositionen Beethovens, der Waldsteinsonate – im Allegro prasselten die Finger auf den Flügel herab, das Adagio molto wurde mit stakkatohaften Akkordanschlägen in dramatische Sequenzen unterteilt. Passend zum Stück „Ondine“ von Maurice Ravel gab Knauers Konzertpartnerin Kristina Dumont anschließend ein lyrisches Werk von Aloysius Betrand zum Besten. Und auch wer der französischen Sprache nicht mächtig war, vermochte den Inhalt mit allen Sinnen zu verspüren. Die folgende Pianointerpretation präsentierte sich schließlich als wunderschönes Kleinod der Klaviermusik: Wie bei einem filigranen Windspiel schwebte die Komposition zunächst als hauchzartes Klingen durch den Saal, schien dann immer mehr Klanglinien aus einer fernen Zwischenwelt aufzunehmen und entlud sich schließlich in einem voluminösen Finale voller Ausdruckskraft und Energie. Es war ein Genuss, Knauers Klavierkonzert mitzuerleben und man merkte am Ende auch deutlich, wie sehr die ausgewählten Stücke die Künstlerin gefordert hatten – Klassik in einer ihrer spannendsten Ausprägungen.






ZWISCHEN KALKÜL UND POESIE

Richard Heller verlässt den Tonkünstlerverband. Werkschau zum 60.
Augsburger Allgemeine Zeitung · 10. April 2014

Von Manfred Engelhardt Die Facetten im Schaffen eines prominenten Augsburger Komponisten beleuchtete ein Konzert des Tonkünstlerverbandes im Leopold-Mozart-Zentrum (LMZ). Der Konzertsaal hatte dabei einen ungewöhnlich starken Zulauf, darunter viele Musiker- und Komponistenkollegen des LMZ und aus anderen Bereichen sowie Studenten.
Zu seinem Sechzigsten präsentierte sich Richard Heller in eigener Sache und doppelter Funktion: Den runden Geburtstag hatte der Theorie-Dozent zum Anlass genommen, sich als Vorsitzender der Augsburger Sektion des Tonkünstlerverbandes zurückzuziehen – nach 21 Jahren, »so lange, wie es kein anderer ausgehalten hatte«, wie Heller in ironisch-distanzierter Rhetorik erklärte. Doch die Arbeit als Kämpfer für die Neue Musik, für ein jenseits von Event- und Marketing-Strategien bedeutsames Stück Kultur und Kulturpolitik, bezeichnete er als überaus wichtig, genauso wie es ihm immer viel Freude gemacht habe, dazu beizutragen, der regionalen Avantgarde eine Heimat zu bieten. Ein Nachfolger ist noch nicht gefunden.

Sieben Musiker gestalteten das Programm

Sein eigenes Programm an diesem Abend – Vokal- und Instrumentalstücke, vor allem Klavierwerke – war eine komprimierte musikalische Biografie des gebürtigen Wieners, Musik in kleiner Besetzung, die aber das Schaffen in großen Zügen durchmaß. Mit hohem künstlerisch-technischen Einsatz, mit Einfühlungsvermögen in die hellersche Handschrift waren sieben renommierte Musiker angetreten, das vielfältige Programm zu gestalten: die Flötistinnen Judith Müller und Juliane Mack, die Sopranistin Beatrice Ottmann, Stefan Volpp (Gitarre), vor allem die Pianisten Stephanie Knauer, Stephan Saller und Stefan Schulzki. Bei aller Variabilität von Besetzung und Genre ist ein »Grundton« bei Heller zu hören: das Changieren zwischen strengem konstruktivistischen Kalkül und Poesie, wozu die Adaption und ihre assoziativen Veränderungen von epochalen Erscheinungsformen gehören: impressionistische Farben wie auch sachlich-minimalistischer Gestus, harte Kontrastattacken, nicht selten Jazz-Anklänge, parodistische Anmutungen musikalischer Erscheinungsformen. Bei allem eigenen kreativen Antrieb lässt sich Heller meist von Auftragsthemen inspirieren, auch von Musikern und deren Ausdrucksangebot.

Anklänge an Schumann werden skurril verzerrt

Da spielt er mit dem besonderen Klang-Spezifikum der Flöte, sowohl in den »3 Miniaturen für Altflöte und Klavier« aus den 80ern, später noch radikaler und fantasievoller mit neuen Tonerzeugungen in den »7 Arabesken für zwei Flöten und Klavier« (2000/01): Vom spitzen Piccolo bis zur sanften Alt-Tiefe der Bläser sind viele poetische Momente ausgereizt. Aus frühen Jahren gab es Klavierwerke zu hören: die kontrastreiche Klangsuche des kristallin-harten »Klavierstücks op. 4« (1976) und ein »Lied ohne Worte« (1978) mit fast skurril verzerrten Schumann’schen Gebärden. Geradezu konzertanten und orchestral anmutenden pianistischen Pomp verströmt wiederum der »Essay für 2 Klaviere« (1995/96): Zwischen Auflichtung und Ballung scheinen Themenpakete, in »Brahms’scher« Kraft oder auch auf jazzigen Nebenpfaden, hin- und her zu wandern. Ähnlich opulent-spektakulär, mit noch mehr parodistischem, doch nicht arrogant-spöttischen Impetus vollzieht sich der Dreiertakt im Klavier-Auftragswerk »Walzer?« (1998). Doch zu seinen schönsten, ureigensten poetischen Verdichtungen zählen die »3 Lieder nach Texten unbekannter Autoren«. Mit quasi fernöstlich knappen »Pinselstrichen« vereint Richard Heller in diesem Klangbildern Naturton-Stimmungen mit psychologisch-präzisen Analogien.




JA! SCHATZ!

Augsburger Allgemeine · Juni 2014 (Auszug)
Füssen – Die Liebe in all ihren Facetten aufblühen ließ am Freitagabend die Theaterwerkstatt Augsburg mit ihrem musikalischen Schauspiel »Ja! Schatz!« im Kaisersaal des ehemaligen Klosters St. Mang. Hier präsentierten Matthias Klösel im Stil von Max Rabe Hits aus den zwanziger und dreißiger Jahren.

Über das musikalische Schauspiel »Ja! Schatz!«, das die Theaterwerkstatt Augsburg den gut 100 Besuchern präsentierte, dürfte sich nicht nur das Publikum, sondern auch die Wasserwacht Füssen gefreut haben. Kommt der Gewinn, den die Veranstalter vom Standesamt Füssen nach Einschätzung von Leiter Andreas Rösel »mit Sicherheit« gemacht haben, doch in voller Höhe der Jugend der Wasserwacht zugute. Für den ersten Vorsitzenden Rudolf Achatz war es deshalb auch »selbstverständlich Ehrensache«, dass er das knapp eineinhalb Stunden lange Schauspiel in der Kleinkunstreihe »Wo Träume wahr werden« mit seiner Frau besuchte. Er amüsierte sich wohl ebenso köstlich über die Geschichte, wie man es nach dem kräftigen Applaus zu schließen auch vom Rest der Zuschauer vermuten darf.

Stephanie Knauer mit Mathias Klösel – Foto: Berndt »Manni« und seine musikalische Suche nach einer Frau: Davon handelte das Stück »Ja! Schatz« mit Matthias Klösel und Stephanie Knauer am Klavier. Foto: Berndt

Von Stephanie Knauer musikalisch meisterhaft am Klavier begleitet, zog »Manni« alias Matthias Klösel gesanglich und schauspielerisch alle Register, als er jede Menge unvergessliche Hits der zwanziger und dreißiger Jahre Revue passieren ließ. Unter der Regie von Reiyk Bergemann erwiesen Knauer und Klösel, der das Stück eigens für den Auftritt in Füssen geschrieben hatten, unter anderem den »Comedian Harmonists« und Georg Kreisler ihre künstlerische Reverenz.

So entwickelten sich die Hochzeitsvorbereitungen, die »Manni« auch ohne Braut schon mal vorsorglich geplant hat, zu einer Art Kaleidoskop von Hits à la »Veronika, der Lenz ist da«, »Ich steh’ mit Ruth gut«, »Oh, Donna Clara«, »Bei mir biste scheen« und »Ich hab’ das Fräulein Helen baden sehen«. Diese servierte Klösel dem Publikum im Stile eines Max Raabe sprechend, singend und tanzend. So bereitete er den Zuschauern einen durch und durch »liederlichen« Abend, an dem die Liebe in all ihren Facetten aufblühte. lex






ZWISCHEN KALKÜL UND POESIE

Richard Heller verlässt den Tonkünstlerverband. Werkschau zum 60.
Augsburger Allgemeine Zeitung · 10. April 2014

Von Manfred Engelhardt Die Facetten im Schaffen eines prominenten Augsburger Komponisten beleuchtete ein Konzert des Tonkünstlerverbandes im Leopold-Mozart-Zentrum (LMZ). Der Konzertsaal hatte dabei einen ungewöhnlich starken Zulauf, darunter viele Musiker- und Komponistenkollegen des LMZ und aus anderen Bereichen sowie Studenten.
Zu seinem Sechzigsten präsentierte sich Richard Heller in eigener Sache und doppelter Funktion: Den runden Geburtstag hatte der Theorie-Dozent zum Anlass genommen, sich als Vorsitzender der Augsburger Sektion des Tonkünstlerverbandes zurückzuziehen – nach 21 Jahren, »so lange, wie es kein anderer ausgehalten hatte«, wie Heller in ironisch-distanzierter Rhetorik erklärte. Doch die Arbeit als Kämpfer für die Neue Musik, für ein jenseits von Event- und Marketing-Strategien bedeutsames Stück Kultur und Kulturpolitik, bezeichnete er als überaus wichtig, genauso wie es ihm immer viel Freude gemacht habe, dazu beizutragen, der regionalen Avantgarde eine Heimat zu bieten. Ein Nachfolger ist noch nicht gefunden.

Sieben Musiker gestalteten das Programm

Sein eigenes Programm an diesem Abend – Vokal- und Instrumentalstücke, vor allem Klavierwerke – war eine komprimierte musikalische Biografie des gebürtigen Wieners, Musik in kleiner Besetzung, die aber das Schaffen in großen Zügen durchmaß. Mit hohem künstlerisch-technischen Einsatz, mit Einfühlungsvermögen in die hellersche Handschrift waren sieben renommierte Musiker angetreten, das vielfältige Programm zu gestalten: die Flötistinnen Judith Müller und Juliane Mack, die Sopranistin Beatrice Ottmann, Stefan Volpp (Gitarre), vor allem die Pianisten Stephanie Knauer, Stephan Saller und Stefan Schulzki. Bei aller Variabilität von Besetzung und Genre ist ein »Grundton« bei Heller zu hören: das Changieren zwischen strengem konstruktivistischen Kalkül und Poesie, wozu die Adaption und ihre assoziativen Veränderungen von epochalen Erscheinungsformen gehören: impressionistische Farben wie auch sachlich-minimalistischer Gestus, harte Kontrastattacken, nicht selten Jazz-Anklänge, parodistische Anmutungen musikalischer Erscheinungsformen. Bei allem eigenen kreativen Antrieb lässt sich Heller meist von Auftragsthemen inspirieren, auch von Musikern und deren Ausdrucksangebot.

Anklänge an Schumann werden skurril verzerrt

Da spielt er mit dem besonderen Klang-Spezifikum der Flöte, sowohl in den »3 Miniaturen für Altflöte und Klavier« aus den 80ern, später noch radikaler und fantasievoller mit neuen Tonerzeugungen in den »7 Arabesken für zwei Flöten und Klavier« (2000/01): Vom spitzen Piccolo bis zur sanften Alt-Tiefe der Bläser sind viele poetische Momente ausgereizt. Aus frühen Jahren gab es Klavierwerke zu hören: die kontrastreiche Klangsuche des kristallin-harten »Klavierstücks op. 4« (1976) und ein »Lied ohne Worte« (1978) mit fast skurril verzerrten Schumann’schen Gebärden. Geradezu konzertanten und orchestral anmutenden pianistischen Pomp verströmt wiederum der »Essay für 2 Klaviere« (1995/96): Zwischen Auflichtung und Ballung scheinen Themenpakete, in »Brahms’scher« Kraft oder auch auf jazzigen Nebenpfaden, hin- und her zu wandern. Ähnlich opulent-spektakulär, mit noch mehr parodistischem, doch nicht arrogant-spöttischen Impetus vollzieht sich der Dreiertakt im Klavier-Auftragswerk »Walzer?« (1998). Doch zu seinen schönsten, ureigensten poetischen Verdichtungen zählen die »3 Lieder nach Texten unbekannter Autoren«. Mit quasi fernöstlich knappen »Pinselstrichen« vereint Richard Heller in diesem Klangbildern Naturton-Stimmungen mit psychologisch-präzisen Analogien.






DA BLEIBT MAN GERN EIN WENIG

Thomas Haala mit Liedern von John Dowland
Augsburger Allgemeine, 12. März 2014

Von Claus Lamey »Semper Dowland semper dolens«: So hat der große elisabethanische Lautenist und Liedkomponist John Dowland eine Pavane überschrieben, und in vielen seiner Liedtitel meldet sich der »immer Leidende« zu Wort, etwa in einem seiner abgründigsten Gesänge, betitelt »In darkness let me dwell« (Im Finstern lasst mich hausen), wo in Text und Musik geradezu höllische Seelenqualen beschworen werden.

So nah am Abgrund wollte Thomas Haala, ehemaliger Augsburger Domsingknabe und Mitglied der A-cappella-Gruppe »Cash-N-Go«, beim Dowland-Abend im Mozarthaus sich nicht bewegen. Zwar enthielt das Programm (mit dem Stephanie Knauer ihre diesjährige Hammerflügel-Reihe an gleicher Stätte eröffnete) ähnlich melancholische Schwergewichte – etwa »I saw my lady weep« – mit schneidender Chromatik. Haalas leicht geführter Countertenor näherte sich diesen hoch expressiven Gesängen aber eher mit zurückhaltender, zarter Melancholie. Wenn auch die Stimme noch nicht in allen Lagen klanglich ganz ausgeglichen erscheint, so hatte seine natürliche, ungekünstelte Vortragsweise anrührende Ausdruckskraft. Bei den weniger zahlreichen heiteren Liedern kam ein Schuss jugendlicher Unbekümmertheit hinzu – besonders fein gestaltet das Aufeinandertreffen beider Ausdruckswelten im Dur-Moll-Wechsel bei »Rest awhile, you cruel cares«.

Zusammen mit Stephanie Knauer am Hammerflügel schuf der Sänger durchgehend ein intimes, harmonisches Klangbild. Die Pianistin kam mit fein differenziertem, farbenreichem Spiel dem originalen Duktus der Laute sehr nahe und beleuchtete dabei nachdrücklich den Reichtum der für seine und die nachfolgenden Epochen einzigartigen melodischen und kontrapunktischen Satzkunst Dowlands.

Nur schade, dass dessen musik- und zeitgeschichtliches Umfeld den Zuhörern nicht vermittelt wurde: keine Führung durch die etwas schematische Programmfolge (Lied – Applaus – Lied – Applaus usw.), keine Vorstellung des Meisters, keine Liedtexte. Vom rein melodisch-emotionalen Zauber des Abends aber war das dicht gedrängte Publikum zu Recht sehr angetan.

Am Sonntag, 16. März (18 Uhr), ist in der Hammerflügel-Konzertreihe im Mozarthaus die Sopranistin Sarah M. Newman zu hören, begleitet von Stephanie Knauer.




OUR FAVOURITE SONGS

AUGSBURG, Theater – Hoffmann-Keller:
Premiere am 1. März 2014

 Werner P. Seiferth | Online Merker
Auch das gibt es noch in unserer für die Kultur „angespannten“ Zeit, in der Streiks der Bühnentechniker beinahe das Debüt eines Weltstars in einem renommierten Opernhaus verhindern, Streiks der Orchestermusiker oder Chorsänger Opernaufführungen ad absurdum führen oder die Künstlerinitiative „art but fair“ Missstände unterschiedlichster Art zu Recht beklagt: es gibt noch die Liebe zur Musik, zum Beruf, zum Publikum. Fünf ambitionierte „Musikanten“ verbünden sich um der Freude an der Musik willen und bereiten dadurch ihrem Publikum eine Freude der besonderen Art.

 Der „Hoffmann-Keller“ im Theater Augsburg, einst während der Intendanz von Dr. Ulrich Peters  in den Jahren 2002-03 aus einem ehemaligen Kellergewölbe, das auch zeitweise als Fundus diente, entdeckt und umfunktioniert,  ist eine rustikale, kleine Spielstätte für Programme der unterschiedlichsten Art und gerade deshalb sehr beliebt beim Publikum.

Hier trafen nun fünf Künstler und ein Techniker zusammen und erarbeiteten in ihrer „Freizeit“ ein Programm das zuerst ihnen selbst große Freude bereitete und gerade deshalb zur besonderen Freude des Publikums wurde: OUR FAVORITE SONGS nannten sie den ebenso beschwingten wie beswingten Abend, angefüllt mit einer Vielzahl bekannter und auch weniger bekannter Melodien, interpretiert mit spürbarer Freude und erkennbarem Vergnügen, aber vor allem mit hoher Konzentration auf die Musik, die mit vollem Recht hier in den Mittelpunkt gerückt wurde, ohne „theatralische“ Ablenkung. Dort, wo die Originale Show-Einlagen von Stepp bis Striptease „einblenden“, konnte man sich dem musikalischen Ausdrucksreichtum der jeweiligen Kompositionen hingeben, man konnte (und sollte) schwelgen.

Ob es sich um Musical-Highlights (Webber, Kander, Berlin, Kern) oder Film-Evergreens (Mancini, Hollaender, Porter, Coleman), ob es sich in der Erinnerung an längst nicht mehr Bekanntes oder in der musikalischen Erinnerung an nicht „Gewusstes“ (Jones, Brühne, Kreuder, Kahn, Ellington, Weill) handelte – jedes „Teilchen“ war ein Mosaikstein für ein großes Ganzes, das nicht nur mit Lust und Liebe interpretiert wurde, sondern das auch ganz „beiläufig“ in einem im guten Sinne improvisierten, mit Witz und Ironie geführten Moderations-Dialog der beiden Sängerinnen vorgestellt wurde. Die Lockerheit der Atmosphäre dieses Abend wurde eben gerade dadurch erreicht, dass nichts „einstudiert“ oder „gestellt“ wirkte – wir, das Publikum, wurden mitgenommen auf eine sehr persönliche, private Exkursion durch die Welt dieser Musik, durften teilhaben am Treffen der Stile und Richtungen und waren – vom ersten Satz der „Anmoderation“ bis zum letzten Ton des Programms „Mitwirkende“.

Wer wusste schon noch, dass Shalom Secundas  Bei mir bistu scheen“ ursprünglich Bestandteil eines jiddischen Musicals war, wem ist erinnerlich, dass Kurt Weills Tango-Habanera  Youkali ursprünglich für seine Oper „Marie Galante“ geschrieben wurde oder dass Friedrich Hollaender während der Arbeit am Film „Der blaue Engel“ für die Dietrich den Titel  Ich weiß nicht, zu wem ich gehöre schrieb. Und Jerome Kern hatte einst eine Musik komponiert, die er dann in „Show Boat“ nicht verwendete, um später auf den Text Otto Harbachs  Smoke gets in your eyes zu schaffen, das auf dem russischen Sprichwort „Wenn Dein Herz auf dem Feuer ist, bekommst Du Tränen in die Augen“ basiert.

Nun endlich muss den Mitwirkenden gedankt werden, die das alles mit Können und spürbarem Wollen so grandios servierten: Sally du Randt, als Augsburger Operndiva ausgewiesen, bewegte sich in einem Milieu, das sie nicht nur durch die vielseitigen Nuancierungen ihrer stimmlichen Mittel beherrscht, sondern dem sie sich auch seit ihren Anfängen musikalisch verbunden fühlt: mit Charme erzählte sie davon, dass sie mit dem Webber-Titel  Don’t cry form e argentina  einst als Studentin in ihrer südafrikanischen Heimat ihren ersten Wettbewerb gewann. Gerade dieser Titel wurde auch hier zu einem Höhepunkt des Programms, neben vielen anderen Titeln, die nicht alle genannt werden können.  Sieglinde Hahn, die sich vorwiegend dem Jazz und Blues verschrieben hat und seit Jahren bei Jazzbreak aktiv ist, überzeugte mit Titeln von Gus Kahn und Shalom Secunda und servierte mit Hendersons  Bye bye blackbird  eine interessante Version, die nur vom Kontrabaß begleitet wurde. Einen sehr großen Anteil am Erfolg des Abends hatte die Augsburger Pianistin Stephanie Knauer, die am Klavier den Löwenanteil der musikalischen Begleitung souverän bestritt, ihr in erster Linie waren die interessanten

„Zwischenspiele“ zu danken, die die Musik in den Mittelpunkt stellten, der ihr im Film oder auch im Musical oft unter den Gesetzen der „Show“ durch Aktionen streitig gemacht wird. Sehr dezent und geschmackvoll die beiden anderen musikalischen Mitstreiter: Thomas Konzmann als Kontrabassist (von seinem Solo war schon die Rede) und Mo Spann am Schlagzeug und der – Mundharmonika! Beide Letztere sind ebenfalls Spezialisten auf diesem Gebiet und spielen zu ihrer Freude, was ihnen anzumerken war. Dieses großartige musikalische Quintett wurde ergänzt und unterstützt durch Sebastian Sommer, der – als Diener am Werk – im Hintergrund mit Umsicht und Souveränität agierte und nicht nur für den erforderlichen Sound (mit echtem Einfühlungsvermögen), sondern auch für das Licht und die technischen Anforderungen bestens sorgte.

 So durfte man einen Abend erleben, der zur vollen Freude und Erbauung des Publikums wurde, der den Mitwirkenden ihre Lust, die sie verbreiteten, anmerkte und zurückgab – eine wunderbare Harmonie, kein Wunder, dass die beiden vorbereiteten Zugaben nicht ausreichten und man letztlich noch einen Titel aus dem Programm wiederholen musste.

Ich wiederhole mich: Augsburg ist immer eine Reise wert – im vorliegenden Falle allerdings sind die Karten für die nächste Vorstellung bereits so gut wie ausverkauft, neue Termine sind – leider! – noch nicht bekannt.

So ist Theater richtig, so muss es eigentlich immer sein: Lust muss man haben, Lust muss man verbreiten, ehrlich sein Anliegen „herüber“ bringen, dann kommt der Erfolg ganz von selbst.






AUF FLÜGELN DES GESANGS

Stephanie Knauer und Cecilia Sala
Augsburger Allgemeine, 23. August 2013

Von Claus Lamey Auf Gesangsflügeln trug Cecilia Sala bei der „30 Minuten“-Reihe in evang. St. Ulrich ihre dankbaren Zuhörer unbekümmert von der italienischen Renaissance bis zum amerikanischen Musical, Stephanie Knauer unterfütterte diese Höhenflüge am Orgelpositiv mit gelassener Souveränität.
Die junge Sopranistin, an diversen italienischen Musikinstituten stilkundig in der Gesangskunst der Alten Musik ausgebildet, begann mit einer Kanzonette von Giulio Caccini (†1618), einem der ersten Vertreter des damals modernen „monodischen“ Stils, bei dem die drei Ebenen Bass, Harmonie und Melodiestimme für alle Zukunft des Liedgesangs formprägend wurden. Aber auch Monteverdi, der Meister des vielstimmigen Madrigals, griff mit seinen „Scherzi“ die neue Tradition auf: bald frech, bald wehmutsvoll Wonne und Qual der Liebe beschwörend. Beide Affekte, den heiteren und den tragischen, realisierte Sala mit instrumental geführter, kristallheller Stimme stilsicher und differenziert, ohne den Kontrast quasi romantisch zu forcieren. So gab es neben spielerischen auch durchaus bewegende Augenblicke, wie im ergreifend entschwebenden Schlusston der Gebets-Pavane „Hear me, O God“ aus der Feder des im Dienst von Königin Elisabeth I. tätigen Alfonso Ferrabosco.

Ein Rückflug ins 18. Jahrhundert
Mühelos gelang der Weiterflug ins 20. Jahrhundert. Obwohl nicht gerade mit einer ausgesprochenen Musicalstimme versehen, gewann die Sängerin die Herzen der Zuhörer mit einem hingebungsvoll gehauchten „Embraceable You“ von Gershwin. Mit Drehorgeleffekten und frechen Glissandi machte Stephanie Knauer aus der Orgel-Not eine Tugend, und nach Eliza Doolittles sehnsuchtsvollem Temperamentsausbruch „I could have danced all night“ aus „My Fair Lady“ dichtete das Publikum vielleicht insgeheim weiter: She could have sung all night. So geschah es tatsächlich, allerdings erst zwei Tage später im Mozarthaus in musikhistorischem Ambiente mit Hammerflügel und Zimmerakustik. Programmatisch bedurfte es hier eines „Rückflugs“ ins späte 18. Jahrhundert, zunächst mit einer Auswahl aus Haydns Zyklus englischer Kanzonetten, einem viel zu wenig bekannten, hoch originellen Alterswerk des Meisters.

Stimmliche Brillanz, leichtfüßiges Temperament
Sala nahm ihre Stimme auf ein feines „mezza voce“ zurück, steigerte aber die Intensität der Gestaltung in allen Bereichen, von spitzbübischem Humor bis zu tiefem Schmerz, Letzterer besonders ergreifend in „She never told her love“. Ähnliches gilt für eine weitere Neuentdeckung des Abends, die sechs Arien des Gitarrenmeisters Mauro Giuliani nach Texten von Metastasio. Die Worte, in denen alle Facetten der Liebe beschworen werden, sind opernnah, entsprechend die wirkungsvolle Musik. Sala präsentierte sich mit stimmlicher Brillanz, leichtfüßigem Temperament und charmanter Ausstrahlung als geborene Opera-buffa-Interpretin. Stephanie Knauer, die ihr pianistisches Profil schon bei Haydn einprägsamer zur Geltung bringen konnte als in der Kirche, bereicherte das Programm mit originellen Soli, besonders nachhaltig mit der virtuos hingetupften, kühn-bizarren Gigue KV 574 von Mozart. Dessen mit schlichter Innigkeit vorgetragene Canzone „Ridente la calma“ schloss als stimmungsvolle Zugabe den Kreis eines musikalisch höchst erfreulichen Doppelkonzerts.